Kritik: Les éléments

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Les Éléments

Fast am Ende der diesjährigen Musikfestspiele angekommen, ergab sich eine schöne Querverbindung zum Open-Air-Konzert vor zwei Wochen. Damals war Jean-Féry Rebels Orchestersuite "Les Éléments" auf den Terrassen vor dem Orangerie-Schloss erklungen, und nun wurde die gleichnamige opéra-ballet, die André Cardinal Destouches und Michel-Richard de Lalande in Zusammenarbeit verfassten, in der Orangerie konzertant gespielt. Dieses Werk war 1721 im Schloss Tuileries uraufgeführt, wobei der damals 11jährige Kronprinz - der spätere Ludwig XV. - als Tänzer auftrat. Dirigent dieser Premiere war übrigens keine Anderer als Jean-Féry Rebel.

Zwar ist nicht eindeutig belegt, welche Teile von "Les Éléments" von welchem der beiden beteiligten Komponisten stammen, das Ganze erweist sich auf jeden Fall als eine zufriedenstellende stilistische Einheit. Das Ensemble Les Surprises spielte eine "geschickt komprimierte Fassung" (so das Programmheft), die mit drei Sängern und einem kleinen, einfach besetzten Orchester auskam. Als die Aufführung nach knapp 80 Minuten vorbei war, konnte man nichts anders, als diese Entscheidung zu bedauern, denn nur zu gerne hätte man eine weitere halbe Stunde dieser bezaubernden Musik zugehört.

Umso mehr, als die Aufführenden restlos überzeugend wirkten: Die allesamt muttersprachlichen Sänger verliehen jedem Wort die richtige Farbe und Gewichtung; die Instrumentalisten erfüllten jede Phrase mit rhetorischer Bedeutung; das Continuo wurde abwechslungsreich realisiert. Die vier Elemente wurden durch unterschiedliche Klangfarben dargestellt: die Luft durch Blockflöten, das Wasser durch weicher klingende Traversflöten, das Feuer durch Streicherklänge und das Wasser durch Oboen. "Les Éléments" von Destouches und Lalande war eines der erfolgreichsten Theaterwerke ihrer Zeit und wurde bis in die 1780er Jahre immer wieder gespielt. Es bleibt zu hoffen, dass man es bald in szenischer Form, mit historischen Choreographien und ungekürzt erleben darf. Diese gelungene Potsdamer Aufführung hat regelrecht Appetit darauf gemacht!

 

Text: Carlos Solare

Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2017

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