Kritik: Geschwinde, ihr wirbelnden Winde

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Geschwinde, ihr wirbelnden Winde!

In einer beinahe ausverkaufte Friedenskirche war das Konzert am Samstagabend nur einem der vier Elemente gewidmet: der Luft. Zwar weichen die "wirbelnden Winde", die das Dramma per musica von Johann Sebastian Bach einleiten, bald lieblicheren Brisen aus. Die Luft als unabdingbarer Bestandteil des Gesangs bleibt jedoch Protagonist dieser mythologischen Posse um die stimmlichen Künste der Götter Phoebus und Pan. Bach erweist sich darin als durchaus fähig, nicht nur erhabene Musik zu schreiben, die eines Apolls würdig sei, sondern auch das zu produzieren, was wir heute "U-Musik" nennen würden (das Lied des Pan hat er übrigens in einem vergleichbaren Szenario noch einmal verwendet, nämlich in der "Bauernkantate").

Unter der charismatischen Leitung von Andreas Spering konkurrierten beide Gottheiten in der Gestalt von Tobias Berndt (Phoebus) und Matthias Winckhler (Pan) um den Lorbeerkranz für den besten Sänger. Wäre dies tatsächlich ein Gesangswettbewerb gewesen, hätten es die Juroren schwer gehabt, denn beide Bassisten erfreuen sich warmklingender, modulationsfähiger Stimmen. Der kurzfristig eingesprungene Tobias Hunger bewies zudem einen zwanglosen Sinn für Humor in der Arie des Midas, dessen wohlverdiente Eselsohren durch die Musik bildhaft dargestellt wurden. Hannah Morrison, Benno Schachtner und Dávid Szigetvári vervollständigten die Besetzung dieser köstlichen Kantate.

Georg Philipp Telemann schrieb seine "Donner-Ode" im Gedenken an das verheerende Erdbeben, das 1755 die Stadt Lissabon zerstörte. Nach einem Eröffnungschor folgt eine Reihe kurzer Arien, die der Allmacht Gottes kundtun, bevor die Katastrophe in einem expressionistisch anmutenden Duett der beiden Bässe mit fast ausschließlicher Pauken-Begleitung beschrieben wird. Diese Nummer stellte eine weitere Sternstunde der Herren Berndt und Winckhler dar.

Eröffnet wurde das Konzert mit Bachs Dritter Orchestersuite, wohl deshalb gewählt, weil sich darin das berühmte "Air" befindet. Dank eines vorwärtsgehenden Tempos wurde jede Süßlichkeit vermieden, mit der dieser Satz allzu oft überdeckt wird. Die Capella Augustina musizierte die gesamte Suite wie aus einem Guss; die Sätze gingen ineinander über in einem durchgehenden Crescendo der musikalischen Spannung.

 

Text: Carlos Solare

Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2017

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